Pressemitteilungen

3. November 2022

Elysium Between Two Continents feiert das 100-jährige Bestehen der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik mit einem Konzert, in dem vergessene Werke von Komponisten vorgestellt werden, die gezwungen waren, ins Exil zu gehen. Es steht unter der Schirmherrschaft des amerikanischen Baritons Thomas Hampson.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung:

Die Erwin Piscator Award Society und Elysium präsentieren die 34. Piscator Preise:
Geehrt werden der belarussische Exilschriftsteller Alhierd Bacharevič,
die Mäzene Dr. h.c. Irène und Prof. Dr. h.c. mult. Erich Lejeune
und der Regisseur und Intendant Hansjörg Utzerath

18. August 2021

Am Freitag, 27. August um 19 Uhr verleiht die Erwin Piscator Award Society die 34. Jährlichen Erwin Piscator Preise im Künstlerhaus in München. Der Preis, 1985 von Gregorij von Leitis ins Leben gerufen, wurde in seiner gesamten Geschichte stets in New York City verliehen. Coronabedingt findet die diesjährige Preisverleihung erstmals in München statt.
Der Erwin Piscator Preis 2021 geht an Alhierd Bacharevič, für sein kraftvolles Werk als einer der bedeutsamsten belarussischen Schriftsteller, der in monumentalen Romanen und tiefgründigen Essays die Bedingungen totalitärer Herrschaft erforscht, und für seinen mutigen Einsatz in der Opposition gegen Lukaschenko, erst im Protest auf der Straße und in oppositionellen Medien, jetzt als Exilschriftsteller von Graz aus.
In seinen Werken erinnert Bacharevič uns daran, dass Autoritarismus und Faschismus nicht bloß Phänomene der Vergangenheit sind, sondern gegenwärtig – hier und heute, nur 1000 km Luftlinie entfernt von Berlin: in Minsk, in Belarus, in Europa. Sein opus magnum Die Hunde Europas, vom Belarus Free Theater als Theaterstück adaptiert, führt uns in beklemmender Weise die psychologischen und gesellschaftlichen Untiefen eines dystopischen Superstaates vor Augen, in dem individuelle Freiheitsrechte nichts mehr gelten. Sein Roman Die Elster auf dem Galgen zeigt den Lesern, wie schnell ein jeder von uns die Unschuld verlieren und zum willigen Mitarbeiter eines staatlichen Terrorsystems werden kann.
"Zeit seines Lebens nutzte Piscator die Plattform des Theaters, um sich gegen die zerstörerischen Kräfte des Faschismus auszusprechen. In den letzten Jahren haben wir in Europa und auf der ganzen Welt eine Zunahme autoritärer Herrschaft erlebt. In diesem aktuellen politischen Klima ist es wichtiger denn je, an Piscator und das bleibende Vermächtnis seines politischen Theaters zu erinnern", sagt Gregorij von Leitis.
Das Münchner Unternehmerehepaar Dr. h.c. Irène und Prof. Dr. h.c. mult. Erich Lejeune wird für sein vorbildliches philanthropisches Engagement mit dem Erwin Piscator Ehrenpreis 2021 in Erinnerung an Maria Ley Piscator ausgezeichnet. Irène Lejeune fördert seit Jahren den Ballettnachwuchs, zunächst als Botschafterin und Hauptsponsorin des Bayerischen Staatsballetts, seit 2018 als Förderin des Bayerischen Juniorballetts. Erich Lejeune hat an der Hochschule für Philosophie München über viele Jahre einen Stiftungslehrstuhl für Philosophie und Motivation finanziert, den der Jesuit Prof. Dr. Godehard Brüntrup innehat. 2003 gründeten Irène und Erich Lejeune die Herz für Herz – Stiftung für Leben! Die Stiftung ermöglicht insbesondere Herzoperationen und diagnostische Maßnahmen bei Kindern aus armen Regionen der Welt. Durch die Einrichtung von drei Herzkatheterlaboren in Vietnam, zwei an der Universität Da Nang und eines an der Universität in Ho Chi Minh City konnten seit Beginn des Stiftungsengagements über 4.000 Kinder gerettet werden, die u.a. an genetisch bedingten Herzdefekten, durch den Einsatz von Agent Orange im Vietnamkrieg ausgelöst, litten.
1978 gründete das Ehepaar die weltweit agierende Consumer Electronic GmbH. Als das Unternehmen 1998 an die Börse ging, wurde Irène Lejeune erster weiblicher Finanzvorstand eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland.
Den Erwin Piscator Lebenswerkpreis 2021 erhält Hansjörg Utzerath. In seiner mehr als sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere hat er sich außerordentliche Verdienste um das lebendige zeitgenössische deutsche Theater erworben. Vor 55 Jahren übernahm Utzerath die durch Erwin Piscators Tod verwaiste Intendanz der Freien Volksbühne in Berlin und hat das Haus durch markante Inszenierungen sechs Spielzeiten bis 1973 lang geprägt. Schon zuvor hatte er sich als Mitbegründer (1952) und später Direktor (1959 – 1966) der Düsseldorfer Kammerspiele einen Namen gemacht. Unter seiner Leitung avancierten die Kammerspiele zu einem Haus, das weit über die nordrhein-westfälischen Landesgrenzen hinweg bekannt wurde als ein Ort, an dem die damals noch neuen aufregenden Autoren des absurden Theaters aufgeführt wurden.
Von 1977 bis 1992 war er Schauspieldirektor in Nürnberg. In dieser Zeit und davor und danach als freier Regisseur hat er unzählige Inszenierungen verantwortet und etliche Uraufführungen auf die Bühne gebracht.
Dem diesjährigen Piscator Preiskomitee gehören u.a. an: die Intendanten André Bishop (Lincoln Center Theater, New York), James C. Nicola (New York Theatre Workshop), und Matthias Schulz (Staatsoper Berlin); die Oskar-preisgekrönten Schauspielerinnen Ellen Burstyn und Lee Grant; die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte (Berlin); die US-Dramatiker Ayad Akhtar, John Guare und J. T. Rogers; der Bariton Thomas Hampson; die Menschenrechtlerin Kerry Kennedy; die bayerische Staatsschauspielerin Christine Ostermayer; die Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler; die Regisseure Bartlett Sher und Robert Wilson, und die Rektorin der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien Ulrike Sych.
Erwin Piscator (1893 – 1966) war einer der bedeutendsten Theatermacher des 20. Jahrhunderts, nicht nur in Deutschland, wo seine Karriere begann, sondern auch in den USA, wo er ab 1939 im Exil lebte. Piscator war nicht nur ein großer Theatermann, sondern setzte durch sein Leben Zeichen in dunklen Zeiten; seine Leidenschaft für kämpferische Kunstformen, die den Status Quo herausforderten, wurde auch durch die politische Verfolgung seitens der Nationalsozialisten nicht gebremst. In Deutschland arbeitete er in den 1920er Jahren mit Künstlern wie Bertolt Brecht, Hanns Eisler, John Heartfield und Wieland Herzfelde zusammen. In New York gründete er 1940 den Dramatic Workshop an der New School und unterrichtete etliche später berühmt gewordene Schauspieler, u.a. Harry Belafonte, Marlon Brando, Tony Randall, Elaine Stritch, Ben Gazzara, Judith Malina und Tony Curtis. Als McCarthys kommunistische Hetzjagd auch Piscator ins Visier nahm, verließ er 1951 die USA. Nach Jahren als Gastregisseur wurde er 1962 von Willy Brandt zum Intendanten der Freien Volksbühne in Berlin (West) ernannt. Mit den Uraufführungen dreier provokativer Stücke – Hochhuths Der Stellvertreter, Kipphardts In der Sache J. Robert Oppenheimer und Weiss’ Die Ermittlung – begründete Piscator das sogenannte Dokumentartheater und krönte sein Lebenswerk.

Scroll to Top